SUV Coupe - Trend gegen alle Vernunft?!


SUV Coupe neuer Trend
Foto © by Mercedes-Benz

In der Geschichte des Automobils hat es immer Trends gegeben: Angefangen beim Trend Ende der Fünfziger Jahre, vom Motorrad überhaupt auf ein - meist sehr kleines - Auto umzusteigen. In den Sechzigern und Siebzigern lieferten zahlreiche Hersteller von braven Alltagslimousinen wie Opel Kadett eine unpraktischere und teurere Coupéversion. Der Trend zum SUV startete um die Jahrtausendwende eher verhalten, nahm rasch Fahrt auf und lässt sich - besonders im Vergleich zu anderen Fahrzeugkategorien - aktuell durchaus als Boom bezeichnen.

Quasi als Trend im Trend entwickelte sich die Nachfrage nach immer kompakteren SUV vom Format eines VW T-Cross. Eine Außenseiterrolle nimmt das SUV-Cabrio ein: Nach dem Produktionsende des Range Rover Evoque Cabrio besitzt das VW T-Roc Cabrio eine Monopolstellung auf dem Markt.

SUV-Coupés werden hingegen von mehreren Herstellen angeboten. Die Käuferschaft ist überschaubar. Nur wenige Interessenten sind bereit, mehr Geld für die unpraktische Coupéversion eines praktischen SUV auszugeben. Dazu kommt, dass SUV-Coupés ohnehin mehrheitlich im hochpreisigen Bereich angeboten werden.

 

SUV-Coupés - deutsche Premiumhersteller beherrschen den Markt

Ein SUV-Coupé als solches zu bezeichnen, ist ausschließlich dann legitim, wenn das Coupé direkt von einem SUV abgeleitet ist. Den Mitsubishi Eclipse Cross als Coupévariante des Mitsubishi Outlander zu bezeichnen, funktioniert so natürlich nicht, auch wenn die technische Basis bei beiden Fahrzeugen nahezu gleich ist. Die Definition eines SUV-Coupés ist einfach: Bis zur Fensterunterkante SUV, oben Coupé. Und da haben die deutschen Hersteller ganz klar die Nase vorn. Audi, BMW, Mercedes und Porsche heißen die Konkurrenten.

 

Begrenztes Angebot bei den "Kleinen"

Wer nicht unbedingt 60.000 Euro und mehr für ein SUV ausgeben möchte, findet nur ein beschränktes Angebot vor. Die preisgünstigste Möglichkeit, ein SUV-Coupé einer deutschen Nobelmarke zu fahren, ist der BMW X2.

BMW X2 Coupe Heckperspektive
Foto © by BMW

Die Coupéversion des X1 ist ab 34.450 Euro zu haben. Dafür gibt es einen Dreizylindermotor(!) und Frontantrieb. Das hört sich nicht gerade nach SUV an, kann aber durchaus eine lohnenswerte Investition sein. Die Unterhaltskosten fallen entsprechend gering aus, die schicke Coupéform fährt trotzdem immer mit. Auch das Platzangebot geht für ein nur 4,36 Meter langes Fahrzeug in Ordnung. Teuerster X2 ist der allradgetriebene M35i xDrive für 55.900 Euro, womit er deutlich über dem Einstiegspreis eines BMW X4 liegt.

Direkter und einziger Konkurrent des BMW X2 ist der Audi Q3 Sportback, ein typischer Profiteur des aktuellen SUV-Coupé-Trends.

Audi Q3 Sportback - Neuestes Audi SUV Coupe
Foto © by AUDI

Er wird erst seit Oktober 2019 angeboten, zu Preisen ab 36.000 Euro. Immerhin erhält man hier als Einstiegsversion einen 150 PS starken Vierzylinder-Benziner, muss aber ebenfalls auf Allradantrieb verzichten. Den gibt es ab mindestens 40.200 Euro (35 TDI). Wie der BMW ist auch der Audi eine Vernunftentscheidung. Prestige und Protzerei sind den beiden kleinen SUV-Coupés vollkommen fremd.

 

Kompromisse in der Mittelklasse

Wer ein SUV-Coupé zwischen der "kleinen" und der "großen" Klasse fahren möchte, wird lediglich bei BMW und Mercedes fündig. Der Porsche Macan sieht zwar fast wie ein Coupé aus, wird aber nicht ausdrücklich als solches bezeichnet.

Der Einstieg in die SUV-Coupéwelt der mittleren Klasse nennt sich bei BMW X4 und ist damit logischerweise ein Ableger des praktischen X3. Zu Preisen ab 51.000 Euro (20i xDrive, 184 PS) gibt es grundsätzlich Allradantrieb und das bekannte, hervorragend funktionierende Achtgang-Wandlerautomatikgetriebe.

BMW X4 Modell 2018 Coupe Seitenansicht
Foto © by BMW

Skurrilerweise liegt das Kofferraum-Normvolumen des X4 mit 525 Litern sogar 75 Liter über dem des Technikspenders X3. Allerdings ist der X4 auch sechs Zentimeter länger. Insgesamt ist der BMW X4 einer der vernünftigsten Entscheidungen in der unvernünftigen SUV-Coupéwelt.

Von ganz ähnlichem Format ist das Coupé des Mercedes GLC. Seine Eckdaten ähneln auffallend denen des BMW, der (April 2018) der jüngere der beiden ist. Das Mercedes GLC Coupé steht seit September 2016 in den Schauräumen der Händler.

Mercedes AMG GLC Coupe Seitenansicht
Foto © by Mercedes-Benz

Ab 51.664 Euro ist der schicke Bruder des GLC zu haben, grundsätzlich mit Allradantrieb und Neungangautomatik. Der Gepäckraum ist mit 350 Litern - bei gleicher Außenlänge - deutlich kleiner als der des BMW. Von außen sieht man das natürlich nicht, hier zählt nur das Design, und das ist tatsächlich durchaus gelungen. Dagegen sieht der etwa 5.000 Euro günstigere GLC brav und bieder aus. Aber das ist ja auch Sinn und Zweck eines SUV-Coupés.

 

Überfüllte Oberklasse

"Ganz oben" gibt es das reichhaltigste Angebot an SUV-Coupés. Audi legt mit dem monströsen Q8 einen imposanten Auftritt hin. Der Fünfmeter-Riese ist ein Ableger des Q7, den es auch mit dritter Sitzreihe gibt. Den Q8 natürlich nicht, das würde lächerlich wirken. Platz hat der Q8 trotzdem reichlich; schon der Norm-Gepäckraum bietet 605 Liter, bei umgeklappten Rücksitzen sind es 1.755 Liter.

Audi Q8 Coupe SUV
Foto © by AUDI

Bis zu 3,5 Tonnen schwere Anhänger darf der Audi Q8 ziehen. Ganz so unpraktisch ist er dann wohl doch nicht. Auch die Preise sind eindeutig Oberklasse. "Günstigster" Q8 ist der 45 TDI Quattro für 74.900 Euro, ein Sechszylinder-Diesel mit optimistischen 6,5 Litern Normverbrauch auf 100 Kilometer. Mit 127.000 Euro Kaufpreis und 12,1 Litern Normverbrauch markiert der RS TFSI V8 Quattro eindeutig die Spitze in der Q8-Familie Sein 600 PS starker Benziner treibt den 2,4 Tonnen schweren Wagen in unglaublichen 3,8 Sekunden auf Tempo 100. Mehr - oder in diesem Fall weniger - geht kaum.

Oder doch. Bei BMW heißt das Oberklasse-SUV-Coupé X6. Er ist der Oldie und Begründer der SUV-Coupés. Bereits in der dritten Generation läuft der mächtige X6 in den USA vom Band. Direkter Konkurrent des stärksten Audi Q8 ist der BMW X6 M V8 Competition xDrive.

BMW X6 Reihe - Drei Generationen SUV Coupe
Fotos © by BMW

Sein Achtzylinder generiert 625 PS, die Beschleunigung liegt ebenfalls bei 3,8 Sekunden aus dem Stand auf 100 Stundenkilometer. Beim Preis legt BMW mit 144.200 Euro noch einen drauf. Günstigster X6 ist der 30d xDrive (Sechszylinder-Diesel, 286 PS) für 76.400 Euro. BMW-Nostalgiker greifen hingegen lieber zum 340 PS starken Sechszylinder-Benziner für 77.900 Euro. Das ist der mit der sagenhaften Laufruhe und dem charismatischen Klang.

Die Antwort von Mercedes auf Audi Q8 und BMW X6 lautet GLE Coupé. In allen Belangen ist der 4,96 Meter lange Mercedes ein typisches Oberklasse-Fahrzeug und ein typisches SUV-Coupé. Wie bei allen Konkurrenten auch ist die Übersicht im GLE Coupé sehr schlecht. Die Zuladung fällt mit 540 Kilogramm deutlich geringer aus als im GLE. Die Normkofferraumgröße entspricht mit 510 Litern in etwa der eines 30 Zentimeter kürzeren Mercedes CLA Shooting Brake.

Mercedes Benz GLE Coupe & SUV
Foto © by Mercedes-Benz

Lächerlich und peinlich: Wer statt des 65 Liter kleinen Serientanks einen mit 85 Litern Inhalt bevorzugt, muss 119 Euro Aufpreis zahlen. Wer sich diese Zusatzkosten sparen möchte, muss zu einer der AMG-Versionen greifen. Die führen das größere Spritfass serienmäßig mit, verschlingen in der Anschaffung allerdings bis zu 140.000 Euro. Geboten werden dafür Achtzylinder-Benziner mit bis zu 612 PS Leistung.

Die Fahrleistungen bewegen sich ziemlich exakt auf dem Niveau der Mitbewerber. Positiv: bis zu 3,5 Tonnen Anhängelast. Die Einstiegsversion des Mercedes GLE Coupé kommt auf 76.279 Euro (Sechszylinder-Diesel, 272 PS). Auffallend ist immer wieder, wie sehr sich die technischen Daten und die Preise bei Audi, BMW und Mercedes ähneln. Interessant ist der Vergleich mit dem Porsche, der wie so oft eine Sonderstellung einnimmt.

Der Beitrag von Porsche zur Oberklasse-SUV-Coupéwelt heißt konsequenterweise Porsche Cayenne Coupé. Seit dem Mai 2019 wird das Cayenne-Coupé angeboten. Ein wenig ähnelt das Coupé dem kleineren Porsche Macan. Basis ist aber natürlich der Cayenne. Die Außenlänge ist mit etwa 4,93 Metern in etwa gleich; in der Höhe büßt das Coupé erstaunlicherweise nur drei Zentimeter ein. Das spricht für gelungenes Design, denn optisch wirkt das Coupé deutlich flacher als seine technische Basis. Theoretisch müsste das Coupé also annähernd so viel Platz bieten wie der Cayenne. Wegen der eingezogenen hinteren Dachlinie ist der Kofferraum mit 500 Litern jedoch gegenüber 645 Litern deutlich kleiner.

Technisch gibt sich das Cayenne-Coupé Porsche-untypisch relativ bescheiden. Bei maximal 550 PS lassen es die Stuttgarter bewenden, den Plug-In-Hybriden mit 680 PS Systemleistung für 176.293 Euro einmal ausgenommen.

Porsche Cayenne S E Hybrid Coupe
Foto © by Porsche

Übrigens bietet Porsche gleich zwei Plug-In-Versionen. Mercedes hat für den GLE eine Version im Programm. Audi und BMW verzichten auf einen Plug-In-Hybriden für ihre SUV-Coupés. Tatsächlich macht das System in dieser Fahrzeugkategorie wenig Sinn. Technisch spricht natürlich nichts dagegen. Aber hier geht es um Emotionen, um Klang, um Faszination.

Die Preisliste für das Cayenne Coupé beginnt bei 83.711 Euro für den Dreiliter-Sechszylinder-Benziner mit 340 PS. Der direkte Vergleich mit dem gleich starken BMW X6 zeigt, dass der Porsche etwa 5.000 Euro teurer ist.

Beim Audi Q8 das gleiche Bild: Ebenfalls - wie abgesprochen - 340 PS Motorleistung, Audi 5.000 Euro günstiger. Ist der Porsche denn wenigstens besser ausgestattet? Teilweise ja. Er kommt grundsätzlich mit Navigationssystem und Teillederausstattung, wodurch sich die 5.000 Euro Mehrpreis natürlich relativieren. Trotzdem bleibt auch dem Cayenne eine große Peinlichkeit nicht erspart. Als ob die beiden Stuttgarter sich abgesprochen hätten: Wer einen größeren Tank wünscht (90 statt 75 Liter), muss zahlen. Und zwar - das kann kein Zufall sein - ebenfalls exakt 119 Euro wie bei Mercedes.

Prosche Cayenne Turbo Coupe
Foto © by Porsche

Von solchen Peinlichkeiten unberührt bleibt jedoch die Sonderstellung des Porsche Cayenne Coupé in einem ganz anderen Bereich: der Höchstgeschwindigkeit. Wo Audi, BMW und Mercedes ihre PS-Monster sanft in einen Begrenzer laufen lassen, nämlich bei 250 Stundenkilometern, macht Porsche einfach weiter. Einzig der Einstiegsbenziner bleibt mit 243 km/h unter der magischen prestigeträchtigen Marke. Die anderen Versionen rennen ganz legal bis zu 295 Stundenkilometern. Eine Frage der Ehre auch für diesen Porsche und ein weiterer Beweis für die Sonderstellung der Marke. (Autor: Andreas Busch)

 

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